Polizei als Fußabtreter?

Helden 2016

„Da kommst du dir als Polizist schon verarscht vor“

von Tina Kaiser

Foto: Martin U. K. Lengemann

Nach 27 Jahren als Berliner Streifenpolizist ist Alexander Klimmey kein Irrsinn fremd, seine Erzählungen sind erschreckend. Was ihn verrückt macht ist, wie der Staat ihn und seine Kollegen behandelt.

Der Schmerz war so grell und durchdringend, dass er ihm die Luft abschnürte. Ein Schlag, hart und schnell, in die Weichteile. Innerhalb von Sekunden stieg ihm Übelkeit die Kehle hinauf, sein Körper klappte wie ein Taschenmesser zusammen. Alexander Klimmey wünscht sich, er wäre an diesem Tag nie aufgestanden.

„Kann ich echt nicht empfehlen“, brummt Alexander Klimmey, sein übliches sarkastisches Grinsen auf dem Gesicht, als er ein Jahr später dort steht, wo es passiert ist. Am Fuß einer Treppe zum Görlitzer Bahnhof, Berlin-Kreuzberg. Die U-Bahn verläuft in diesem Teil der Stadt oberirdisch auf Stelzen, die Treppe ist ein stadtbekannter Drogenumschlagplatz.

Klimmey, 48 Jahre alt, ein bulliger Typ mit angegrauten Haaren und rotem Gesicht, ist seit 27 Jahren Streifenpolizist in Berlin. Seine Krankenakte umfasst zwei dicke Ordner, aber an diese Verletzung kann er sich noch erinnern, als wäre es gestern gewesen. „Hodenprellung, anderthalb Wochen Schmerzmittel und Eiswürfel zwischen die Beine halten.“ „Unangenehme Sache“, sagt er. Der Schmerz ist aber nur das eine, er erinnert sich an den Fall so genau, weil er für die Misere seines Berufs steht.

Klimmey hatte einen Dealer auf frischer Tat erwischt. Der Drogenhändler rammte ein Fahrrad in seinen Unterleib. Klimmey konnte ihn trotzdem festnehmen, und stellte später in den Akten fest, dass der Mann ein Wiederholungstäter war. Wenige Monate später wurde der Dealer wegen 41 Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz angeklagt. Die Richterin ließ ihn auf Bewährung frei. „Der Typ steht jetzt hier wieder regelmäßig und vertickt Gras“, sagt Klimmey. Er stößt verächtlich Luft aus: „Da kommst du dir als Polizist schon verarscht vor“

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